Dokumenten-Standards

Disclaimer: Dies ist eine – nicht für das gesamte OrgaTeam sprechende – subjektiv gegrantelte Polemik des Webmasters

Immer das Kreuz mit den Dateiaustauschformaten. Wäre es nicht toll, gäbe einen offenen Standard, der unabhängig von den Produkten einzelner Unternehmen funktioniert? Sozusagen ein Office-Application-Format?

Die Kulturellepraxis drückt es folgendermaßen aus:

“Iihhh, .doc :( Du weißt schon, daß echte Nerds auf unnötige proprietäre Dateiformate – auch wenn sie diese meist öffnen können – reagieren, als würde ihnen ein Eimer Dung vor die Tür gekippt?” – “Frage ist also jetzt, performst Du einen echten Nerd?” – “Frage ist, wie reagiere ich auf einen Eimer Dung …”

Apropos: Was läßt sich eigentlich noch sagen, wenn ein Essay zu “Konformität” in .doc eingereicht wird? kfermion wies indessen auf den Treppenwitz hin, daß sich M$ zur Durchsetzung von .docx immerhin – finanziell wie personell – an Standardisierungsverfahren beteiligt hat …

Zur Vertiefung:

Nochmal zum mitschreiben:

  • .doc Dateien: sind ein ausschließlich für Office vorgesehenes Format. Wie sie genau funktionieren ist Microsoft Firmengeheimnis, aber offenbar schlecht. Auch die Kompatibilität zwischen unterschiedlichen WinWord-Versionen ist nicht vollständig. Höchstens für den Hausgebrauch geeignet. Laßt Euch nicht erzählen, .doc-Dateien zu verschicken wäre legitim.
  • .docx Dateien haben auf zweifelhaften Wegen eine Zertifizierung der ISO bekommen und ihre Funktionsweise ist dokumentiert, allerdings in einer Weise, die nicht sonderlich viel zur Offenheit beiträgt. D.h. aber, ihre Verwendung ist formal und zähneknirschend vertretbar. Da es mit anderen Programmen zu Fehlern in der Darstellung kommen kann, sollte es als Austauschformat lediglich im Konsens aller Beteiligten verwendet werden.
  • .pdf Dateien haben ISO Zertifizierung, sind offen dokumentiert und v.a. haben sie den Vorteil, überall – egal welche Hardware, welches Betriebssystem oder welches Programm – gleich auszusehen. D.h., es handelt sich um eine professionelle Lösung, wenn die Empfänger*innen nichts daran verändern müssen.
    • Protip: Es gibt freie und kostenlose Anzeigeprogramme mit anderen Funktionalitäten und Politiken als der Adobe Reader, herumprobieren lohnt
  • .odt Dateien sind ISO-Standard und gut dokumentiert, d.h., viele Programme können sie nutzen, u.a. das freie und kostenlose Libre-Office; durch die Firmenpolitik von Microsoft leider nur nicht MS-Office.
    • Protip: Diese Dateien lassen sich auch mit ZIP-Programmen öffnen
  • Um nicht mit Kanonen auf Spatzen zu schießen, sei an dieser Stelle für reinen Text auf .txt Dateien (Achtung: Es gibt diverse Zeichencodierungen; an Vollständigkeit und Portabilität ist UTF zu empfehlen), für formatierten Text auf .html Dateien hingewiesen, ihre Einfachheit macht sie manchmal zu guten Alternativen, wenn keine komplexen Formatierungsfunktionen von Nöten sind
  • Wer Lust & Zeit hat, sich in etwas Professionelles einzuarbeiten, sei auf den Standard in Informatik und Physik verwiesen und ermutigt, (La)TeX zu lernen. Seminarteilnehmer*innen können auf Anfrage Lehrmaterial dazu bekommen

Will sagen: Vielleicht ist es keine so gute Idee, anderen die Nutzung eines bestimmten – kostenpflichtigen unprofessionellen und schlechten – Programms zuzumuten oder andernfalls Probleme in Kauf zu nehmen; zumal wenn dieses Programm nicht für alle gängigen Betriebssysteme erhältlich ist. Wer selbstidentifiziert „links“ ist, sollte sich zudem Gedanken machen, ob Technik nicht auch etwas Politisches ist und es vielleicht besser sein könnte, wenn Datenübertragungsstandards offen sind, statt geistiges Eigentum irgendwelcher Konzerne. Was dies konkret bedeutet, merkt pers durch Lesen der häufig gruseligen AGB. Und sagt nicht, daß Ihr mit Technik in Ruhe gelassen werden wollt, denn diese läßt leider Euch nicht in Ruhe.

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2 Kommentare zu Dokumenten-Standards

  1. Admin sagt:

    Dazu passend (Achtung: Genderung und Sexualitätsnormativität nicht unproblematisch): „Nerd ist … wenn Du im Domina-Studio nach Typo3, Powerpoint und PHP verlangst.“(1)

  2. Pingback: Klarmachen zum Semesteranfang | Menschenbilder in der Psychologie

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