Humanismus

Das Referat zur Humanistischen Psychologie & Logotherapie ist hochgeladen.

Da die HuPsy (so im Mebi-Jargon abgekürzt) als wirkmächtigste Absetzungsbewegung vom naturwissenschaftlichen Ideal der Psychologie gesehen werden kann, droht aus Sicht kritischer Geister hier allerdings – gerade im therapeutischen Bereich – eine zweite Unmarkiertheit zu entstehen. Also Aussagen, die zu klar scheinen, sie wahrzunehmen. Oder in einem Gegensatz zwischen naturwissenschaftlichem Mainstream und HuPsy zu verharren, nicht wissend, daß es fundiertere Kritik an beiden geben kann, als z.B. pauschale Unwissenschaftlichkeits- oder Unmenschlichkeitsvorwürfe. Gleichwohl nicht verleugnet werden kann, daß viele in Geschichte und Gegenwart des MebiSem Sympathien für die HuPsy hegten, scheint es deshalb umso wichtiger, dem (abstrakten Optimal-) Anspruch des Seminars nach, Kritiken zumindest zu umreißen. Interessante Texte sind hochwillkommen, dieses Blog hat eine Kommentarfunktion.

Auf einer pragmatischeren Ebene ist dies bereits im Plenum geschehen. Vielleicht mit dem Ergebnis, daß wir uns über Subjekt mehr Gedanken machen könnten, Handlungsmacht ein wichtiges Thema ist und wir eine Psychologie brauchen, die die Gesellschaft und systematisch in den Blick nimmt (dies ist btw. ein Teaser für einige der folgenden Referate). Doch Euer ergebener Webmaster versucht mal philosophisch zu interventieren.

Französische Denker*innen, wie Michel Foucault, von dem wir später noch hören werden – jedoch wahrscheinlich zu anderen Facetten seiner Arbeit -, haben sich u.a. am Humanismus des erwähnten Existenzialisten Jean-Paul Sartre abgearbeitet. Besonders interessant war deshalb, daß im Referat der Lehrer u.a. Foucaults, Louis Althusser erwähnt wurde. Althusser kann als Scharnierstück zwischen klassisch-marxistischer und s.g. „poststrukturalistischer“ Theorie gesehen werden; ein unterschätzter Geheimtip sozusagen.

Einschlägig im Zusammenhang der Humanismuskritik ist Foucaults Text „Qu’est-ce que les Lumières ?“ (dt. „Was ist Aufklärung“), welcher sich in englischer Übersetzung frei im Netz befindet. Dann wurden von einer mir vollkommen unbekannten Person Kritikpunkte aus diesem theoretischen Umfeld stichpunktartig zusammengefaßt (beachtet auch die Reformulierung im Vorfeld dieses Referats in den Kommentaren).

Zuguterletzt laßt uns noch ein wenig in Zitaten schwelgen:

man [kann] sehr wohl wetten, daß der Mensch verschwindet wie am Meeresufer ein Gesicht im Sand.

–Foucault, Michel: Die Ordnung der
Dinge: Frankfurt/M 1974; S. 462.

Ich gebrauche hier den Ausdruck Humanität nur ungern, denn er gehört zu den Ausdrücken, die die wichtigsten Sachen, auf die es ankäme , dadurch schon, daß sie ausgesprochen werden, dingfest machen und verfälschen. Ich habe den Begründern der Humanistischen Union, als sie mich aufgefordert haben, einzutreten, gesagt: „Ich würde, wenn ihr Club eine inhumane Union hieße, vielleicht bereit sein einzutreten, aber in eine, die sich selbst humanistisch nennt, könnte ich nicht eintreten.“

—-Adorno, Theodor W.: Probleme der Moralphilosophie, Frankfurt/M 1996, S.250f.

Der Marxismus ist ein Humanismus gewesen; so auch der Existentialismus und der Personalismus; es gab eine Zeit, in der man die humanistischen Werte unterstützte, die der Nationalsozialismus verkörperte und in der die Stalinisten von sich selbst sagten, sie seien Humanisten.

–Foucault, Michel: Was ist Aufklärung?; in : Erdmann, Eva (Hrsg.): Ethos der Moderne; Frankfurt/M ; 1990; S.47.

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3 Kommentare zu Humanismus

  1. Profilbild von MebiAdmin MebiAdmin sagt:

    Prosaischer ausgedrückt:
    Guckste Foucault und Mebiveteranenblog

  2. Pingback: HuPsy | Menschenbilder in der Psychologie

  3. Pingback: Are we not human? | Menschenbilder in der Psychologie

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