Halbbildung

Eher zufällig ist Euer ergebner Webmaster über einen Beitrag zu Adornos Bildungsbegriff via Audioarchiv (Achtung: Adore no Adorno!) gestolpert.

Dort wurde er aufgeworfen, ein Begriff, der in Debatten um „Bildung“ und der Frage nach didaktischer Vermittelbarkeit nahezu vergessen – oder zur Nebenbei-Floskel verkommend: Die Halbbildung.

Das Halbwissen ist siegreicher, als das Ganzwissen: es kennt die Dinge einfacher, als sie sind, und macht daher seine Meinung fasslicher und überzeugender. —Nietzsche

Wie zum Beweis der Gefahren von Halbbildung hilft die deutsche Wikipedia hier nicht sonderlich weiter, eher im Gegenteil; merke: Philiosophische Themen auf der deutschen Wikipedia mit Vorsicht (oder besser: Mit dem einen oder sogar anderen Fachlexikon zusätzlich) genießen!

Angeregt von diesem Vortrag hingegen einige Thesen Halbbildung:

  • Halbbildung ist das Gegenteil von Bildung
  • Sie setzt auf unhinterfragbare Kategorien
  • Ein statisches „das ist“ verstellt den Blick auf Gewordenheiten, das Bestehende wird affirmiert
  • Einfache Orientierungsmuster (schwarz-weiß/gut-böse) ersetzen das Ziel von Bildung, nämlich Differenziertheit anzustreben
  • Damit werden Scheinerfahrungen vermittelt, die die Anpassung befördern
  • Inhalte werden austauschbar

Wir können also festhalten: Wenn lediglich Bekanntes bestätigt wird und einfache ahistorische Gegensätze einer Ausdifferenzierung im Wege stehen, sollten wir uns in Acht nehmen, es dürfte sich um gefährliche Halbbildung handeln …

P.S.: Ja, ich bin mir der postmodernen Ironie bewußt, vor meinem eigenen Blogeintrag warnen zu müssen 🙂

Dieser Beitrag wurde unter Randnotizen abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Kommentare zu Halbbildung

  1. Admin sagt:

    Im Nachhinein wirkt dies wie eine treffendere Positivismuskritik als das ganze Referat. Nur geht es in diesen Performances weniger um eine treffliche, sondern ankommende Kritik. Das Medium ist die Botschaft …

  2. Pingback: Gute* Informant*in | Menschenbilder in der Psychologie

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.